Aruba · Costa Rica · Ecuador · Chile · Argentinien
3. Mai 2026
„Was mache ich hier eigentlich?“ Ich blicke die vertikal erscheinende Wand aus Felssteinen an, die Sonne brennt mir ins Gesicht, genau wie der eisige Wind. Irgendwo hinter dieser absurden Barriere aus Geröll liegt der Blick auf den Fitz Roy. Argentiniens Matterhorn. Einer der markantesten, schroffsten und schönsten Berge in Patagonien und der Welt. Ich will nicht auf den Gipfel, ich will nur zum Aussichtspunkt am Gletschersee Laguna de Los Tres. Doch der liegt auf einer 23 Kilometer langen Wanderung, wobei der letzte Kilometer über 450 Höhenmeter verpackt. Insane. Ich habe Fieber, mir ist kalt, ich schwitze, meine Nase läuft und meine Augen brennen. „Das war richtig dumm“, sage ich, bevor ich weitergehe. Bergauf.
Wetter, Temperatur, Training, Sicht: Alles scheint perfekt an diesem Tag – bis ich einen Anflug von Gliederschmerzen und Halskratzen bemerke. Vor einigen Tagen hatten wir in einem Überlandbus hustende und prustende Passagiere in der Reihe schräg hinter uns gehabt. Toll. Danke für nichts. Ich versuche, den Anflug zu ignorieren, aber ich weiß, dass er real ist. Ich werde krank. Ausgerechnet heute. Ich raste aus. Dann packe ich ein paar Ibuprofen ein, erzähle mir selbst, dass frische Luft bestimmt hilft, und wir ziehen los. Eine Geschichte von Unvernunft, Kraft, Verzweiflung, Stille und Schönheit.
10. April 2026
Wir sind auf der Suche nach Pinguinen auf der Magellanstraße in Patagonien, Chile. Die Fähre braust über die raue See. Ich bin gern mal seekrank. Egal jetzt. Pinguine! Diese kleinen Wesen im Frack, die mit ausgestreckten Armen über Gras, Eis und Schnee watscheln und extrem vom Klimawandel und anderem menschlichen Ungemach bedroht sind. Ich möchte sie besser kennenlernen und verstehen; nicht hinter Gittern, sondern hier draußen.
Dann legen wir an. Ich blicke über das Ufer der Insel Magdalena, wo große, runde und glatte Steine in der Brandung liegen. Moment, bewegt sich da nicht schon was? Ich rutsche ganz nah ans Fenster heran und fast fliegt mir die Kinnlade weg. Da sind die Pinguine! Ganz nah, direkt dort drüben am Strand. Genau dort, wo wir gleich herlaufen werden. Natürlich in einem abgegrenzten Bereich, um die Tiere nicht zu stören. „Daaaaa!“, rufe ich wie ein Kind und deute durch die Scheibe des Boots auf die Szene vor dem Fenster. Mein Mann grinst. Er musste sich heute schon dreitausendmal anhören, wie sehr ich mich auf die PINGUINE (alles Großbuchstaben) freue. Jetzt sind wir hier. Bei den Magellan-Pinguinen in Patagonien – und gleich auf einem kleinen Spaziergang, zu Gast in ihrer Welt.
28. März 2026
Die Rangerin, die nur Spanisch spricht, hält das Teppichmesser an den Arm meines Mannes und deutet mit einer Bewegung an, dass wir den auch abschneiden könnten. Währenddessen biegt ihr Kollege einen stabilen Pappkarton zurecht. Dann lachen wir. Wir sind mitten in den Anden, am Hirsch der Welt, kein Handysignal – und fünf Tage lang mit Zelt und Rucksack trekken, auf dem W Trek im Torres del Paine National Park in Patagonien. Jetzt auch mit gebrochenem Arm.
Der W Trek gehört zu den großen Fernwanderwegen in Patagonien. 70 Kilometer, insgesamt ungefähr 3.000 Höhenmeter, Winde seitwärts in Orkanstärke, Granittürme, türkise Seen, rote Blumen, Gletscherzähne, Eisberge, knorrige Wälder und Verzweiflung immer ganz dicht neben Verzauberung.
Diese Geschichte erzählt, wie wir Stürzen, blauen Augen, Nierensteinen, Stürmen, Hitze, Füchsen und einem monumentalen Anstieg über einen Geröllhang die Stirn geboten haben. Wie wir durch eine der schönsten Landschaften der Welt gewandert sind und einige Tage in ihr leben durften. Wie uns diese Erfahrung an unsere Grenzen und darüber hinausgetragen hat – und wir nicht als dieselben Personen zurückgekommen sind.
23. Januar 2023
Es gibt drei Dinge über die Galapagos-Inseln, die fast jeder mal gedacht hat: Liegen irgendwo in einem der sieben Weltmeere, haben riesige Schildkröten, waren mal in irgendeiner ZDF-Doku. Sie sind sowas wie Hawaii oder Polynesien: Hat man von gehört, kommt man niemals hin.
Als wir unseren Roadtrip durch Ecuador planen, fallen uns auf der Landkarte die kleinen, bunten Punkte mitten im Meer auf. Tatsache – die Galapagos-Inseln gehören zu Ecuador!
„Wenn wir schon mal da sind…!“, sage ich ernst zu meinem Freund.
Und so sitzen wir gegen Ende unserer dreiwöchigen Reise durch das Festland Ecuadors im Flugzeug über dem Pazifik. Auf dem Weg zu Riesenschildkröten, Nicht-Pinguinen, Lava-Tunneln und der Frage, was wir Menschen einer einzigartigen Natur antun.
13. November 2022
Ich trete näher an das kleine Schild. Dort sind ein Berg mit Rauchfahnen und eine Person zu sehen, die wegrennt. Evacuación a Control Norte steht in beruhigenden Buchstaben darunter. Ich blicke zum Cotopaxi hinüber. Der eisige Gipfel mit den überhängenden Schneelappen hüllt sich in dunkle Wolken. Regenwolken. Hoffentlich.
5.897 Meter ist der Cotopaxi in Ecuador hoch und damit einer der höchsten, aktiven Vulkane der Welt.
Und das ist nicht das Einzige, was in Ecuador richtig beeindruckt. Es ist eine Nation, in der man innerhalb von einer Stunde von steppenartigem Hochland in Nebelwälder gelangt und von heißem Amazonas-Klima zu Schnee in den Andengipfeln. Kommt mit auf eine Reise zu winzigen Kolibris und dicken Vulkanen, zu einem Kratersee, einem Felsgang hinter einem Wasserfall und einer höllischen Bahnlinie.
30. Oktober 2022
Lautlos gleitet das Kajak durch das bräunliche, undurchsichtige Wasser. Obwohl wir mitten im Amazons-Regenwald und zwei Bootsstunden von jeder Straße und Stadt entfernt sind, ist es laut. Zikaden sirren wie Mini-Kreissägen, Papageien streiten sich hoch über unseren Köpfen im Blätterdach, Affen brüllen in der Ferne, Frösche quaken in den Lagunen und ein kleiner Vogel imitiert fallende Wassertropfen. Es ist ein Konzert. Ohne Strom. Ohne Internet und Telefon.
Wir sind während unseres dreiwöchigen Trips durch Ecuador für fünf Tage im Amazonas-Becken. Ein Erlebnis so intensiv wie der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee. Feurige Sonnenuntergänge, Schwimmen in einer Lagune mit Kaimanen, Nachtwanderungen durch den Dschungel, Brotbacken mit Ureinwohnern. Keine E-Mails, keine Voicemails, keine Benachrichtigungen. Einfach sein. Hier und jetzt.
5. September 2021
Wir brausen gut gelaunt auf der fein ausgebauten Interamericana im besten Sonnenschein von Liberia, in der Provinz Guanacaste, nach Monteverde.
Dann verdunkelt sich langsam der Himmel. „Guck mal die fantastischen Wolkenformationen da drüben in den Bergen“, rufe ich aufgeregt.
Wenig später sind wir in genau in diesen Bergen. Ein Starkregen, der in fünf Minuten Noahs Arche versenkt hätte, bricht über uns herein. Wir sollen nochmals links abbiegen und blicken plötzlich in ein Tal mit einer Piste aus faustgroßen Steinen, über die sich Bäche aus braunem Regenwasser ergießen. In den Fahrrinnen im Tal stehen Pfützen so groß wie der Bodensee.
Los geht’s, anschnallen für eine Geschichte über tropische Sintflut, die Letzten Autofahrer, die besten Ticos (Costa Ricanische Einheimische), die kreativsten Abschleppwagen und die seltsamen Wege des Universums.
8. August 2021
„Oha“, denke ich, während ich den silbernen Karabinerhaken in der Hand halte und seltsame Gurte lose um meine Beine baumeln. „Es wird mal wieder Zeit, sich zu blamieren.“
Mein Freund und ich sind zwei Wochen lang auf einem Roadtrip durch Costa Rica. Und seit er mir von seinem Zipline-Abenteuer in Ecuador berichtet hat, konnte ich nicht aufhören, darüber nachzudenken, wie es wäre, an einem dünnen Seil hoch über den Urwald zu rattern.
Wie wir dieses Abenteuer gemeistert haben, warum wir 15 Kilometer bei sengender Sonne und 90 Millionen Prozent Luftfeuchtigkeit durch den Dschungel gewandert sind, was der Schrankenwärter mit der Waffe wollte und wo wir ein kleines bisschen Yellowstone-Feeling mitten im Regenwald gefunden haben: Jetzt hier im zweiten Teil meines rasenden Reiseberichts über unseren Roadtrip durch Costa Rica!
25. Juli 2021
Völlig banane entere ich nach 12 Stunden Direktflug aus Frankfurt die Grenzkontrolle in San José, Costa Rica. Natürlich lag beim Landeanflug ein Gewitter über der Stadt und so hatte ich gleich einen Freefall Tower for free inklusive schreienden Passagieren und immensen Schweißausbrüchen.
Ich sehe meinen Freund, der von den USA aus nach Costa Rica gekommen ist, schon hinter dem Grenzhäuschen auf mich warten.
Zwei ganze Wochen werden wir gemeinsam Costa Rica bereisen. Mit einem Mietwagen durchs Land roadtrippen, im Dschungel wandern, Vulkane erkunden und ziplinen. Von der Karibikküste zur Pazifikküste. Die ersten Tage verbringen wir nicht nur im blauen Verkehrsdunst der Vorhölle von San José, sondern vor allem im abgelegenen Tortuguero National Park, den man nur mit einer einstündigen Bootsfahrt erreichen kann. Wo nachts die Affen brüllen, die Tukane im Dschungel leuchten und die Eidechsen deinen Kuchen fressen.
11. Oktober 2020
Aruba – was ist das eigentlich? Irgendeine Insel in der Karibik, wo einem Kokosnüsse in den Bananenshake fallen. Mehr wusste ich nicht, als ich festgestellt habe, dass Aruba aktuell ein Schlupfloch ist für alle, die zu ihrem Partner in die USA reisen möchten und die Corona-Grenzschließungen für Europäer umgehen wollen.
Hier sind die Dinge, die ich nicht auf dem Papier, sondern in der Realität gelernt habe: Wenn du zehn Kilometer mit dem Fahrrad zu einem Berg fährst, bricht ein Tropensturm los, die Hälfte der Insel ist nur mit Offroad-Fahrzeugen zugänglich und Flamingos sind so groß, dass sie einem in die Schulter zwicken können. Hier kommen meine verrückten und überraschenden Abenteuer auf der Schatzinsel Aruba mit abschließenden Tipps für eure eigene Reise.
25. September 2020
Ganz langsam zieht die Nacht herein, während ich durch das Flugzeugfenster auf die Landebahn schaue. Eigentlich sollten wir schon da sein. Dabei sind wir noch nicht mal losgeflogen. Mein Gesicht fühlt sich an wie ein Schwamm, weil ich seit 16 Stunden eine Maske aufhabe. Der Grund meiner Reise: Bin ich für 14 Tage aus dem Schengenraum raus, darf ich in die USA zu meinem Freund fliegen. So zumindest haben es bereits einige Paare erfolgreich vorgemacht. Wegen der immer noch weltweiten Grenzschließungen, gab es jedoch nur wenige Länder, in die ich überhaupt für diese 14 Tage einreisen konnte. Eines davon Aruba. Wie schrecklich. 14 Tage in der Karibik! Was wirklich schrecklich war, war allerdings meine Anreise. Davon jetzt mehr.
