Pinguine in Patagonien –

wo der Flausch wohnt.

10. April 2026

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PINGUINE - wir sind zu Gast auf der Insel Magdalena in Patagonien, Chile

Bestimmt sieht man am Ende nur so ein paar schwarz-weiße Flecken ganz weit weg in der Entfernung, denke ich. Wildtiere zu beobachten, ist nämlich immer so eine Sache. Da schaltet man keine App an und die Tiere sind da. Da muss man suchen und warten und Geduld haben und warten und dann sieht man am Ende vielleicht nichts – oder etwas ganz Wunderbares. 

Wir sind auf der Suche nach Pinguinen auf der Magellanstraße in Patagonien, Chile. Die Fähre braust über die raue See. Ich bin gern mal seekrank. Egal jetzt. Pinguine! Diese kleinen Wesen im Frack, die mit ausgestreckten Armen über Gras, Eis und Schnee watscheln und extrem vom Klimawandel und anderem menschlichen Ungemach bedroht sind. Ich möchte sie besser kennenlernen und verstehen; nicht hinter Gittern, sondern hier draußen. 

Mein Mann schaut entspannt auf die Wellen. Ich hoffe leicht unwohl, dass wir gleich da sind. 

 

Dann legen wir an. Ich blicke über das Ufer der Insel Magdalena, wo große, runde und glatte Steine in der Brandung liegen. Moment, bewegt sich da nicht was? Ich rutsche ganz nah ans Fenster heran und fast fliegt mir die Kinnlade weg. Da sind Pinguine! Ganz nah, direkt dort drüben am Strand. Genau dort, wo wir gleich herlaufen werden. Natürlich in einem abgegrenzten Bereich, um die Tiere nicht zu stören. „Daaaaa!“, rufe ich wie ein Kind und deute durch die Scheibe des Boots auf die Szene vor dem Fenster. Mein Mann grinst. Er musste sich heute schon dreitausendmal anhören, wie sehr ich mich auf die PINGUINE (alles Großbuchstaben) freue. Jetzt sind wir hier. Bei den Magellan-Pinguinen in Patagonien – und gleich auf einem kleinen Spaziergang, zu Gast in ihrer Welt.

Rundweg mit Regeln – bei den Pinguinen auf der Insel Magdalena

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Pinguine haben Vorfahrt auf dem Weg

Bevor wir die Insel Magdalena betreten, gibt es ein Regelwerk in allen klassischen Touri-Sprachen. Die Guides achten streng darauf, dass wir auch alle kapieren, dass man die Pinguine nicht anfasst, nicht füttert, ihnen nicht näher als zwei Meter kommt, sie immer Vorfahrt haben, wenn sie den Weg kreuzen, und wir unseren Pfad zwischen den Seilen nicht verlassen. Das Mitbringen von Essen und Trinken ist generell untersagt. Auch das Herumfuchteln mit Selfie-Stangen. Ich finde das sehr gut – und überraschenderweise benimmt sich in der folgenden Stunde auf der Insel ausnahmsweise keiner wie ein Vollhonk. Auch mal schön. Am liebsten würde ich von Bord rennen und „PINGUINE!“ schreien. Mache ich natürlich nicht. Nur ganz leise, in meinem Kopf. 

 

Dann geht es los. Der Rundweg bedeckt nur einen kleinen Teil der Insel, in anderen Teilen ist das Betreten ganz verboten. Schon bald wird klar: Die Pinguine kennen das. Jeden Morgen um 9 Uhr im Sommer kommt so ’ne Nussschale über die Magellanstraße, dann steigen da große Pinguine in bunten Outdoor-Klamotten mit rechteckigen Geräten in der Hand aus, laufen einmal innerhalb der Seile im Kreis, freuen sich einen Keks, und fahren wieder weg. Dementsprechend unbeeindruckt sind sie von unserer Präsenz. Einige watscheln gemütlich über das karge Grasland, Arme ausgestreckt, als würden sie kellnern. Andere liegen vor ihren Bruthöhlen. Ja, ganz richtig, Magellan-Pinguine brüten im Boden, um ihre Jungtiere vor Sonne und Raubtieren zu schützen. Außerdem bleiben sie als Paar oft viele Jahre monogam zusammen. 

Pinguine frei und mit Respekt auf der Insel Magdalena in Patagonien

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Neugierig und unbeeindruckt - die Magellan Pinguine in Patagonien

Es ist ein unglaubliches Gefühl, die kleinen Tiere frei um sich herumlaufen zu haben. Sie sind kein Entertainment, nicht eingesperrt, dressiert oder eingesammelt worden, um Menschen zu bespaßen. Sie leben hier. An einem der südlichsten Punkte Patagoniens. Am liebsten würde ich sie fragen, was sie über uns denken. Ob es okay ist, dass wir hier sind. Drei Pinguine kommen in Reihe über die Hügelkuppe, marschieren streng und auch ein bisschen lustig Richtung menschlichem Fußweg und überqueren ihn, während wir in gebührendem Abstand anhalten und staunen. Viele rechteckige Kästen werden in die Luft gehalten. Manche machen Fotos, andere filmen. Menschen vom kleinen Kind bis zum älteren Herrn sind voller Freude und Aufregung (besonders Letzteres kann ich bestätigen, mein Männe ist nämlich begeistert). Was für ein schöner Moment aus Bewunderung und Respekt. Dürfte die Welt gern mehr von haben. 

 

Auf dem höchsten Punkt der Insel steht ein kleiner Leuchtturm. Neben den Pinguinen sind auch viele Seevögel unterwegs. Irgendwas schnattert, schreit und flattert hier immer. Doch ich muss zugeben, dass die PINGUINE allen anderen Tieren ein bisschen die Show stehlen. 

Gefahren für die Magellan-Pinguine

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Das Los Pinguinos Natural Monument soll die Tiere schützen

Auf der Insel Magdalena fegt ein krasser Wind. Krasser Wind ist ein Markenzeichen von Patagoniens Sommermonaten. Wenn man nicht aufpasst, ist alles weg: Kappe, Handy, Toupet. Den Pinguinen macht das nichts. Sie mögen es rau, sie vertragen es kalt, sie stürzen sich in die Fluten. Dafür sind sie ja auch mit genug Federn und Flausch ausgestattet. Was den Magellan-Pinguinen allerdings zu schaffen macht, ist das sich messbar ändernde Klima. Hitze und Dürren lassen den fragilen Boden der Insel austrocknen und die Bruthöhlen der Pinguine einstürzen. Wärmeres Meereswasser sorgt dafür, dass Fische nicht mehr kommen – und Pinguine fressen Fische. Außerdem transportieren viele der Frachter, die die Magellanstraße passieren Öl. Selbst wenn es kein großes Tanker-Unglück gibt, gelangen täglich Ölmengen ins Meer – meist beim Umladen. Öl zerstört die isolierende und wasserabweisende Eigenschaft von Pinguinfedern und die Tiere erfrieren und ertrinken. Um die Magellan-Pinguine zu schützen, wurde bereits 1966 das Los Pinguinos Natural Monument gegründet, das das Gebiet um die Insel Magdalena als besonderes Naturgebiet ausweist. Seitdem gibt es eine 30 Kilometer breite Fischer-Verbotszone um die Insel, denn eine weitere Bedrohung für die Pinguine ist die Überfischung durch den Menschen gewesen.

Ganz nah, ganz intensiv

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Ein Pinguin trägt Nist-Material zur Bruthöhle

Während der Stunde auf der Insel rede ich gar nicht viel. Ich bin im Moment. Vielleicht sehe ich nur einmal in meinem Leben Pinguine, und das ist jetzt. Ein paar Tiere scheinen sich absichtlich in die Sonne zu stellen und zu genießen. Augen geschlossen, Federn aufgeflauscht. Wie es sich wohl anfühlen würde, diese dichte Isolierschicht zu tragen und immun gegen den strengen Wind zu sein, der an unseren bunten Outdoor-Klamotten reißt?

 

Die Pinguine sind so nah und entspannt, dass ich einige Minuten einfach nur hinschaue. Ihre Augen, ihr Schnabel, die Füße. Einem wilden Tier nah zu sein, ohne als Gefahr wahrgenommen zu werden – das ist immer etwas ganz Besonderes. Die Zeit auf der Insel fühlt sich an wie ein ganzer Vormittag. Man muss nichts anderes tun, als Pinguine beobachten. So eine Stunde hätte ich gern an jedem Tag im Jahr. Vielleicht sollten wir alle mehr sein und sein lassen. Uns an dem erfreuen, was (noch) da ist und es schützen, sodass es auch nach uns noch da ist. Zum Abschied winke ich den Pinguinen und sage leise: „Danke.“

 

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Mehr zu weiteren bewegenden Begegnungen mit Wildtieren findest du hier: 

Kommentare: 2
  • #2

    SquirrelSarah (Freitag, 01 Mai 2026 09:44)

    Hallo Britta,
    ich hab mich so über deine Nachricht gefreut! Wie schön, dass du mich im Nachtcafé gesehen hast und geblieben bist in dieser schnelllebigen Welt. Und es ist wirklich lieb, dass du mir diese Rückmeldung gibst, denn oft schreibt man ja ein bisschen ins Blaue, weiß gar nicht, wer es liest und ob es jemandem Freude macht und inspiriert. Da ist Feedback wie deines eine tolle Motivation für mich, weiterzumachen!: :)

    Die 1 mit Stern nehme ich gern mit - und einen besonders herzlichen Dank möchte ich dir für deine Spende aussprechen. Das machen nicht viele, denn für die meisten Menschen sind Informationen und Texte inflationär geworden und etwas, für das man nichts mehr zu zahlen bereit ist, bzw. dem man auch keinen großen Wert mehr beimisst. Ein Beitrag wie deiner zeigt mir Wertschätzung und das bedeutet mir viel. Der Betrag wird auch umgehend ins Webhosting gehen, denn so ein Blog/eine Webseite hat ja einfach Unterhaltskosten.

    Die Blog-Beiträge sind immer etwas hinter den Echtzeiten der Reisen hinterher, weil ich mir irgendwann vorgenommen habe, mehr den Moment zu genießen und unterwegs weniger am Bildschirm zu sein. Aber mit der Zeit werden sich hier immer die Highlights aller Orte, Emotionen und Lehrstunden einfinden. Schön, dass du hier bist und danke für deine Wünsche! Dir auch alles Gute, vor allem Gesundheit und Neugier.

    Liebste Grüße
    Sarah

  • #1

    Britta Blencke (Sonntag, 12 April 2026 11:56)

    Liebe Sarah,

    nachdem ich deinen Newsletter nun bereits seit Längerem abonniert habe (und mich heute über die Pinguine gefreut habe), wollte ich zumindest einmal eine Rückmeldung geben - so dass du weißt, dass sich dein ‚Geschreibsel‘ sowas von lohnt :-)

    Zum ersten Mal ‚gesehen‘, habe ich dich im SWR Nachtcafé und fand dein Leben schon damals soooo interessant - nicht so Mainstream oder 0815.

    Deine Geschichten, dein Schreibstil - alles wirklich Note 1 mit Stern.

    Tja, und da ich weder Facebook noch Instagram oder ähnlich ‚besitze‘, halte ich mich mit deinen eMail-Newslettern sowie deiner Website auf dem Laufenden.

    Ich freue mich schon auf weitere Geschichten, versuche dir nachher ein paar Euro über Paypal zukommen zu lassen und wünsche dir und deinem Mann alles Gute und noch viele gemeinsame Jahre.

    Herzliche Grüße,
    Britta

All photos © SquirrelSarah (unelss mentioned otherwise)

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