19. Juni 2020
Eigentlich wären mein Freund und ich jetzt in den USA. Zusammen. Aber Corona denkt, es wäre lustiger, wenn wir nicht zusammen sein können. Wenn ich allerdings eines
nicht mache, dann bloß zu Hause rumheulen. Also habe ich beschlossen, sobald es geht, einen Solotrip durch den Süden und Osten Deutschlands zu machen.
Gleich bei meiner Ankunft in Garmisch stellt sich heraus, dass mein schmerzender Hintern nach der langen Fahrt das geringste Problem ist. „Griaß God!“, sagt mein Gastgeber in
Garmisch-Partenkirchen. Und: „Hoisch Moisch Boisch!“ Ich gucke wie ein Esel im Regen. „Guten Abend“, sage ich dann mangels tiefgreifender, bayrischer Sprachkenntnis. Er führt mich durch die
Ferienwohnung, deutet auf Schränke und Schalter und sagt: „Boisch, gell?“ Zum Glück ist der Mietvertrag auf Deutsch und als ich unterschrieben habe, kann ich mir endlich ein Rustipani in den Ofen
werfen und die Füße hochlegen. Und das war erst der Anfang.
5. Januar 2020
Prag. Da war ich mal vor hundert Jahren. Als die Hölle zugefroren war und ich zur Schule ging.
Mein Freund und ich sind auf Zugreise durch Osteuropa, hingen schon kopfüber am Wiener Abendhimmel und sind durch die nebligen Gassen Budapests gegeistert.
Der zweite Teil unseres Trips führt uns nach Prag und Berlin. Zu astronomischen Uhren, tanzenden Häusern, in gläserne Kuppeln und zu der Mauer, die Deutschland einst in zwei Staaten teilte. Als Deutsche und Amerikaner noch nicht in ungarischen Zügen rumgeknutscht und sternchentätowierte Mütter verwirrt haben.
29. Dezember 2019
Düsseldorf. Wie eine goldene Münze geht die Sonne am Horizont unter und hinterlässt ein Tortenstück aus pinken, roten und gelben Schichten am Himmel.
Der letzte große Trip des Jahres. Mit dem Zug durch Osteuropa. Mit meinem Lieblingsmenschen, den ich fast zwei Monate nicht gesehen habe.
Wir landen fast zeitgleich von zwei Enden der Welt aus am Flughafen in Wien. Der Beginn einer wundervollen Reise zwischen silbernen Schlössern, Brücken im Nebel, geheimnisvollen Kaffeehäusern und der schönsten Weihnachtszeit meines Lebens.
24. März 2019
„Es sind noch zwanzig Minuten bis Brüssel“, sage ich, während mir ein großes Stück Cookie runterfällt und irgendwo im Fahrerraum
des Autos stirbt. Wir haben auf unserem Europa Road Trip bereits Amsterdam und Zandvoort hinter uns gelassen und donnern nun nach Belgien.
Zwei Tage später werden wir dann nach Kopenhagen fliegen und von dort aus ins
Ruhrgebiet weiterreisen. Wo unser Tiny House steht. Ich bin aufgeregt. Auch, weil wir dann meine
Familie und Freunde treffen werden. Oder wie mein Freund sagt: "Das Jüngste Gericht".
17. März 2019
Es ist 3 Uhr nachts. Der Mond scheint mir romantisch mitten ins Gesicht und ich klicke nervös auf „FlightAware“ herum, um herauszufinden, wo genau sich das Flugzeug von meinem Freund gerade befindet. Natürlich immer noch mitten über dem Atlantik. Wie vor 5 Minuten und vor 10 Minuten und vor 15 Minuten. Menschen tun verrückte Dinge, wenn sie Schmetterlinge im Kopf haben. Ich esse einen Butterkeks und lege mich wieder hin. Anderthalb Stunden später geht der Wecker. Meine Augen brennen wie Feuer und mein rechter Fuß ist eingeschlafen. Egal. Ich hüpfe mit einem breiten Grinsen in die Küche und verschütte erstmal einen halben Liter Wasser beim Versuch, Tee aufzusetzen. Über dem gepackten Koffer schweben drei Heliumballons. Bereit dazu, meinen Lieblingsmenschen am Flughafen in Amsterdam Schiphol zu überraschen. Das überwältigt mich dermaßen, dass ich spontan das Küchenfenster aufreiße und „AMSTERDAM!“ in die Nachbarschaft brülle. Wissen die gleich mal Bescheid! Dann werfe ich es wieder zu, lache albern und fühle mich, als wäre ich 15 und auf dem Weg zu meinem ersten Date.
Zwei Wochen werden wir gemeinsam durch Europa reisen. Über zwei Monate haben wir darauf gewartet. Amsterdam, Zandvoort, Brüssel, Kopenhagen und Deutschland. Es folgt Teil Eins der Geschichte von der Unendlichkeit. Zwischen Flughafen-Krise, brandendem Meer, Abenteuer und Spinnerei.
2. Dezember 2018
Vor dem Fenster stehen Zypressen wie Zinnsoldaten. Streng scheinen sie zu beobachten, was ich mit der Weinkarte vorhabe. Erstmal versuche ich, sie richtig herum zu halten und nicht wie ein totaler Volldepp zu wirken. Wir haben oben am Schloss Brolio einen Gutschein für eine Weinprobe bekommen, den wir im Tal in einem noblen Schuppen mit holzvertäfelten Wänden einlösen können. Das Gute: Wir mögen Wein. Das Problem: Wir haben keine Ahnung davon. Deshalb blamieren wir uns direkt bei der Bestellung heftig, indem wir irgendwelche Sorten und Aromen durcheinanderwerfen. Weil die Damen hinter der Theke noch zinnsoldatiger gucken als die Bäume, schütten wir die edle Plörre hastig runter und kommen dementsprechend angeheitert an unserem Wagen an.
Aber keine Sorge: Auch ohne alkoholische Einbildungen ist die Toskana wunderschön – und gehört damit neben einem Vulkan, einem abenteuerlichen Flusswanderweg, einer malerischen Küste und einer schmucklastigen Insel zu meinen fünf liebsten Naturerlebnissen in Italien!
23. September 2018
Der blaue Himmel von Düsseldorf verflüchtigt sich und ein grauer Pudding aus Wolken schiebt sich in mein Blickfeld. Ich starre aus dem zerkratzten Flugzeugfenster. Lass mal vor dem deutschen Herbst flüchten und nach Italien verschwinden! Aha. Kurz darauf prasseln dicke Tropfen auf die Landebahn. Ein stürmischer Start für unseren zweiwöchigen Road-Railtrip durch Italien, dem noch mehr Regen, waghalsige Ausblicke auf die Cinque Terre und die Wanderung des Todes folgen.
18. September 2018
Der Zug schießt durch die Toskana, vorbei an dunkelgrünen Zypressen, die wie Kerzen in den blauen Himmel ragen. Kleine Steinhäuser liegen auf den Kuppen goldener Hügel und die klassischen Muster von Weinbergen zeichnen sich an den Hängen ab. Wir fahren mit der Bahn von La Spezia über Pisa nach Florenz. Dort ist es noch angenehm warm Mitte September und über der gesamten Stadt liegt ein bronzefarbener Schimmer. Was ich noch nicht weiß: Nur wenige Tage später werden wir in Neapel landen und einen harten Schlag ins Gesicht bekommen.
26. August 2018
Wir sind in Sevilla, am letzten Ort unseres dreiwöchigen Roadtrips durch Andalusien. Eigentlich wollten wir nur mal kurz am Morgen eine Runde durch die Altstadt drehen. Doch dann war es so schön, dass wir aus Versehen sechs Stunden über buckeliges Kopfsteinpflaster getigert sind. Mein Kopf explodiert vor lauter schachbrettartigen Kirchtürmen, bunten Fassaden und verschnörkelten Fliesen. Neben atemberaubender Landschaft gibt es in Andalusien auch wundervolle Architektur und Altstädte, in denen die Gassen so eng sind, dass man beide Seitenspiegel einklappen muss, um mit kurzzeitigen Herzrhythmus-Störungen hindurchfahren zu können. Ich stelle euch nach den fünf schönsten Naturwundern jetzt die fünf tollsten Orte und Bauwerke vor, die ihr hier unbedingt gesehen haben müsst. Zwischen nie endenden Torbögen, leuchtenden Brücken und einer Stadt, die komplett blau ist.
19. August 2018 / / Update: 17. November 2025
Ich stehe am Stadtrand und gleichzeitig am Abgrund. Mein bester Freund und ich sind auf einem dreiwöchigen Roadtrip durch Andalusien und blicken von der Stadt Ronda aus über hundert Meter in die Tiefe. Es ist, als würden die weißen Häuser über die Kante der Felsen hinaussprühen wie Gischt. Gleichzeitig senkt sich das blasse und warme Abendlicht über die Landschaft. An der Puente Nuevo gehen die Lichter an und tauchen die Schlucht zwischen den beiden Stadtteilen in feuriges Orange.
Von hier aus beginnen unsere Streifzüge in die Natur und das Hinterland Andalusiens. Denn neben großen Städten wie Sevilla, Granada und Malaga erstrecken sich hier auch abgelegene Strände, malerische Gebirge mit schwindeligen Wanderwegen auf Holzplanken und steinerne Landschaften, die den Nationalparks in den USA in nichts nachstehen. Kommt mit zu fünf schönen Naturorten in Andalusien. Na, schwindelfrei und abenteuerlustig?
12. August 2018
Bläulich fällt das Morgenlicht durch die Bergschluchten der Pyrenäen. Nebel und Sonnenstrahlen bedecken die schroffen Felsen. Ich befinde mich neun Kilometer über dem Spektakel in meinem „Lieblingsreisegefährt“ – dem Flugzeug (lang lebe die Flugangst). Auf dem Weg nach Jerez de la Frontera. Dort startet unser dreiwöchiger Roadtrip durch Andalusien. Folgt mir durch heiße Gassen zu bunten Kirchtürmen, meterhohen Dünen und dem südlichsten Punkt Europas, wo Afrika den Horizont berührt.
29. Juli 2018
Als wir vom Mont-Saint-Michel wegfahren, ist es amtlich - wir befinden uns auf dem Rückweg nach Paris.
Zwei Sachen wollten wir aber unbedingt noch mitnehmen: die 50 Kilometer lange Schlange am Schloss Versailles und den vollkommenen Verkehrswahnsinn
mitten in Paris. Natürlich bei 32 Grad im Schatten mit einem kleinen Fiat, bei dem sich die Dachluke nicht gegen das Sonnenlicht schließen lässt.
Hier kommt ein augenzwinkernder Abschlussbericht, mit dem schwarzen Pfeffer der Ehrlichkeit gewürzt.
20. Juli 2018
Das türkise Wasser glitzert in der heißen Mittagssonne. Unten am Strand rote und pinke Sonnenschirme. Oben fast 9.500 weiße Kreuze. 9.500 tote amerikanische Soldaten aus der Schlacht rund um den D-Day in der Normandie 1944. Ich berühre das grüne Gras mit den Fingern und später den feinen Sand am Utah Beach. Ich will es greifen – das Unfassbare, das hier geschehen ist. Und doch rinnt es immer wieder davon.
13. Juli 2018
Paris, Boulevard de Sébastopol, 30 Grad um 21 Uhr. Neonlichter, Musik, quietschende Reifen, warmer Asphalt, Gewürze in der Luft. Wir sind angekommen. Am Startpunkt unseres Roadtrips durch die Normandie. Eine kurze Nacht in Paris, dann holen wir am nächsten Tag das Auto ab.
Auf uns warten in den kommenden Tagen bunte Dörfer, historische Burgen und Ruinen, knorriges Fachwerk und Erdbeeren statt Pommes.
