Neuseeland Nordinsel: Champagne Pools, Teufelsbäder und Vulkanseen.

16. Juni 2014

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Champagne Pool - Hot Springs in Neuseeland

Wir sind fast bei unserem Airbnb in Rotorua angekommen, als es auf einmal merkwürdig riecht. Irgendwie verbrannt oder so. Unruhig schaue ich aus dem Autofenster. Qualmt die Bremse unseres klapprigen Mietwagens, den wir bei dieser dubiosen Butze am Flughafen von Auckland abgeholt haben? Ich schaue unauffällig zu meinem Freund rüber, der aber einfach weiterfährt, als wäre nichts. Der Geruch wird schlimmer. Jetzt riecht es auch noch vergammelt. Hat sich ein Marder unter unserer Motorhaube eingenistet und röstet jetzt da?

 

„Boah, riechst du das?“, rufe ich schließlich nervös.

Mein Freund nickt. „Das sind die heißen Thermalquellen, die Hot Springs“, sagt er.

Ich schließe meine Augen. Stimmt ja! In Yellowstone stinken die auch immer faulig. Schwefelwasserstoffe. Fast so geil, wie wenn jemand in der Bahn ein fettes Eierbrötchen aus der Tasche holt. Mit rohen Zwiebeln.

 

Nach anderthalb Wochen auf Neuseelands Südinsel sind wir auf der Nordinsel angekommen. Hol die Winterjacke raus! Quatsch – Neuseeland liegt auf der Südhalbkugel und alles, was im Norden liegt, ist näher am Äquator und damit tropischer. Trotzdem gibt’s hier neben knallbunten Thermalquellen auch Alpen und Schnee. Und ’ne Alpenüberquerung, die neun Stunden dauert.

Warum wir stattdessen auf dem Kraterrand von türkisen Seen gelandet sind, wo der größte Hot Spring der Welt liegt und was ein Matschvulkan ist – jetzt im zweiten Teil unseres Neuseeland-Abenteuers.

Waimangu Volcanic Valley – das jüngste Thermalgebiet der Welt

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Frying Pan Lake - die größte Thermalquelle der Welt

„Heiliger Scheiß, guck mal!“, rufe ich und deute auf ein Schwarz-Weiß-Bild, auf dem es aussieht, als würden zwanzig Vulkankrater gleichzeitig ausbrechen. Wir sind im Waimangu Volcanic Valley – dem jüngsten Thermalgebiet der Welt.

 

Es war der 10. Juni 1886 um 5:30 Uhr morgens als das Tal explodierte – wie auf dem Schwarz-Weiß-Bild an der Infotafel sichtbar. Alles Leben, was vorher dort gewesen war, war in Sekunden ausgelöscht. Ein völlig neues Ökosystem entstand.

Im zeitlichen Vergleich dazu ist der Yellowstone Supervulkan echt alt – nämlich 640.000 Jahre.

 

Auf einem Wanderpfad laufen wir einen Hang hinab und sehen mehrere blubbernde, teils grün-orangefarbene Teiche. Ich muss ja sagen, dass ich eine Schwäche für Hot Springs habe. Ich finde es ultra-faszinierend, dass da etwas direkt unter der dünnen Kruste der Erde bubbelt, dampft und so unglaublich tolle Farben hat. Es ist erstaunlich und gefährlich zugleich. Eine der surrealsten Hot Springs der Welt ist der regenbogenfarbene Grand Prismatic in Yellowstone. Aber der ist nur der drittgrößte Hot Spring der Welt. Der größte ist nämlich hier, im Waimangu Volcanic Valley in Neuseeland. Wie ein riesiger, höllischer See breitet sich die grün-schwarze Suppe am Boden des Tals aus. Ein Berg direkt am Ufer dampft aus seinen Spalten und Zacken. Immer noch, so viele Jahre nach dem Ausbruch. Frying Pan Lake (oder offiziell Waimangu Cauldron) heißt die 38.000 Quadratmeter große Thermalquelle.

Und weil Thermalquelle immer so nach Wellness und Entspannung klingt, sage ich lieber mal dazu, dass das Wasser aus Säure besteht und 50 bis 60°C heiß ist. Nicht so fluffig.

Wai-O-Tapu und der Matschvulkan

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Devil's Bath - schaurig grün

Ein bisschen scheel nach Vergnügungspark klingt ein weiteres Vulkangebiet auf Neuseelands Nordinsel: das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland. Keine Ahnung, warum man einem Naturschutzgebiet so einen scheiß Namen gibt. Jedenfalls gibt es hier keine Achterbahnen, sondern heiße Quellen in allen Farben. Manche riechen nach Öl, manche sind so ätzend, dass sie den Fels um sich herum auffressen, manche leuchten gelb, manche bilden winzige Sinterterrassen. Besonders schön ist ein Hot Spring, der Champagne Pool heißt. Außen orange, innen hellblau. Ehrlich, hier kommt doch nachts irgendein betrunkener Zeus vom Himmel und malt das alles an. Göttergraffiti oder so. Unglaublich!

Noch verrückter ist nur ein grellgrüner Pfuhl, der passenderweise Devil’s Bath heißt. Dabei ist das Wasser selbst klar. Es sind Rückstände von Schwefel und Mineralien am Grund, die es so toxisch-grün wirken lassen. Würde mich nicht wundern, wenn gleich ein dreiäugiger Uhu aus den Tiefen auftauchen würde.

 

Außerhalb der Parks, unscheinbar an einer kleinen Seitenstraße liegt noch etwas, das man unbedingt gesehen haben muss – ein Matschvulkan oder Mud Pot. Eine braune, breiige Masse wirft in unregelmäßigen Abständen Blasen, die aufploppen und wieder zusammenfallen als würde man Schokopudding aufschlagen. Der Matsch kocht aber nicht – es ist bloß Gas, das von unten nach oben steigt und es so aussehen lässt, als würde jemand einen Hexentrunk anmixen. Etwas Ähnliches habe ich auch in Yellowstone am Mud Volcano und in Costa Rica im Rincón de la Vieja National Park gesehen.

 

Weil es so schön ist, gibt es an dieser Stelle eine Extraportion Fotos:

Tongariro National Park – Regen statt Alpenüberquerung

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Kai Iwi Beach statt Alpenüberquerung

Vulkane kann Neuseelands Nordinsel gut. Der Tongariro National Park hat gleich drei relativ aktive Vulkankrater – und eine neunstündige Alpenüberquerung mit fabelhaften Ausblicken darauf. Wenn es halt nicht in Strömen pisst.

 

„Ich habe extra drei Tage hier gebucht, damit wir mit Sicherheit an einem Tag die Alpenüberquerung machen können!“, rufe ich und starre wütend auf die Wetter-App. „Und jetzt göbelt es an allen drei Tagen? Come on!“

„It’s the mountains“, sagt mein Freund, der ja in den USA selbst zwischen launischen Steinklötzen lebt.

Gleichzeitig finde ich in unserem Airbnb einen Haufen Brettspiele und DVDs und die Auskunft, dass es hier dauernd regnet. Wenn es nicht regnet, ist es Winter und schneit. Toll. Kack Berge.

 

Weil wir am ersten Tag wirklich gar nichts sehen – wir stecken in dichtem Nebel mit drei Zentimetern Sicht, ich hab nicht mal eine Ahnung, wo diese Vulkane sein könnten – fahren wir spontan zwei Stunden runter ans Meer. Da scheint die Sonne. Das ist das Schöne an Neuseeland – alles ist so dicht beieinander, das Land ist klein und so unheimlich vielfältig. Gletscher, Vulkane, Urwald, Strände, Weinberge, Steppe, Fjorde und Mammutbäume – wo bekommt man das sonst innerhalb weniger Stunden mit dem Auto? Wer sich zeitlich und finanziell nur einmal im Leben eine Fernreise leisten kann, dem kann ich aus ganzem Herzen Neuseeland empfehlen!

Wir steuern den Kai Iwi Beach an, der nicht nur einfach ein Strand ist, sondern Klippen und schwarzen Vulkansand hat – und einen Wasserfall, der direkt an der Küste ins Meer rauscht. Statt die Alpen zu überqueren, stehe ich barfuß im Pazifik.

Tama Lakes – türkis-blaue Vulkanseen im Tongariro National Park

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Tama Lakes - am Endpunkt einer wundervollen Wanderung

Die nächsten beiden Tage geben uns ein paar kleine Fenster, in denen wir tatsächlich noch ein paar schöne Wanderungen im Tongariro National Park machen können. Einen der drei Vulkane – Mount Ngauruhoe – sehen wir an all den Tagen nur ein einziges Mal für wenige Minuten, bevor er wieder hinter dunklen Wolken verschwindet. Doch der Rest der Landschaft ist beeindruckend genug. Grüne Wiesen mit gelben Gräsern, rot-schwarzer Vulkanstein, ein bisschen blauer Himmel (ja wirklich!) und weißer Schnee auf den Gipfeln. Ich möchte meinen Pass wegwerfen, ein Zelt in meinen Rucksack stecken, in die unendliche Weite laufen und nie wiederkommen.

 

An einem Tag wandern wir den Tama Lakes Trail zu zwei Seen in zwei Vulkankratern. „Da oben ist es mega stürmisch“, berichten andere Wanderer und kehren um. Wir ziehen unsere Windjacken an. Ha!

Nach einem langen Weg über die Ebenen im Tal geht es hinauf auf den Kraterrand. Der Wind braust, aber die wahnsinnig schöne Aussicht lässt es einfach nicht zu, dass wir umkehren. Wir kraxeln über Geröll und Gestein immer höher. Dann sehen wir vom Bergsattel aus beide Vulkanseen zugleich. Türkis-grün-blau wie Diamanten im Staub. Dahinter eine einzigartige, raue und bunte Kulisse aus Kratern und Hügeln. Ich möchte meinen Kopf wie eine Eule drehen können, damit ich alles auf einmal sehen kann. Ein 360-Grad-Panorama oberdeluxe. Wow!

Obwohl oder vielleicht gerade weil wir die Alpenüberquerung nicht machen konnten – wir wollen auf jeden Fall wiederkommen. Nach Tongariro. Nach Neuseeland.

 

Weitere Berichte und Abenteuer von unserer Neuseeland-Reise gibt's hier:

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