Naturwunder und Abenteuer Neuseeland: Glühende Höhlen und die Rettung der Kiwis.

14. Juli 2024

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In der Glowworm Cave in Waitomo mit Down to Earth Eco Tours

Es ist wie ein Sternenzelt, aber unter der Erde. Und die Sterne sind nicht weiß, sondern blau. Wir sitzen auf einem großen Felsen in einer dunklen Höhle, neben uns rauscht Wasser, über uns sind hunderte Glühwürmer. Wir sind in den Glowworm Caves in Neuseeland, einem von nur drei Orten auf der Welt, an dem die biolumineszenten Tierchen leben und leuchten. Knietief sind wir durch einen kalten Fluss in der Höhle gewatet, mit Händen, Füßen und Stirnlampe über Steine geklettert und haben uns unter Tropfsteinen hergeduckt.

Es ist still. Ich lehne mich an die Schulter meines Freundes und wir schauen einfach nur nach oben.

 

Durch seine extrem abgeschiedene Lage ist Neuseeland ein Paradies für Tiere und Pflanzen, die einzigartig auf der Erde sind. Dazu gehört auch ein Vogel, der nicht fliegen kann und dessen Federn fast wie Fell aussehen: der Kiwi. 50 Millionen Jahre alt ist die Spezies. Und mein absolutes Wissenshighlight über Kiwis: Sie haben Schnurhaare! Awww!

Doch ihre Flauschigkeit hat sie nicht vor der Dummheit der Menschheit bewahrt.

Kommt mit uns zu zwei fabelhaften und fragilen Naturwundern. Zu Kiwi-Küken und Glühwürmern, zu Höhlen und Hoffnung.

Ach Mensch – Kiwis fast ausgerottet

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Kiwi-Fütterung in der National Kiwi Hatchery in Rotorua

Kiwis sind der Nationalvogel und Stolz der Neuseeländer. Dementsprechend bin ich vorbereitet, direkt am ersten Tag einige Kiwis über die Straße laufen zu sehen. Dann lernen wir zwei Dinge: 1. Kiwis sind ausschließlich nachtaktiv und 2. wir Menschen haben sie beinahe ausgerottet. Selbst viele Neuseeländer haben noch nie einen gesehen.

 

Weil mich Natur- und insbesondere Tierschutz sehr interessieren, machen wir einen Termin bei der National Kiwi Hatchery in Rotorua.

Das Team dort ist unglaublich engagiert und nett. Ohne ihre Hilfe wären Kiwis in nur zwei Generationen auf unserem Planeten ausgestorben. Und warum? Weil bescheuerte Menschen auf die Insel gekommen sind und ihnen so langweilig war, dass sie was jagen wollten. Weil es aber in Neuseeland außer Fledermäusen keine Säugetiere gab, haben sie sich Hasen mitgebracht. Zum Aussetzen und Erschießen. Doch einige Hasen waren schneller als die Flinte und die Hasen-Population geriet außer Kontrolle. Kein Ding, dachte sich der Troll-Mensch und holte Wiesel, um die Hasen zu jagen. All das traf auf einen kleinen, flugunfähigen und fast blinden (weil nachtaktiven) Vogel, der Millionen Jahre in Frieden ohne Feinde gelebt hatte. Null Zeit zur Anpassung.

 

Keine Ahnung, wie oft ich mich in den letzten Jahren geschämt habe für die Spezies Mensch, ihre Gedankenlosigkeit und Empathielosigkeit.

Kiwi-Auswilderung: der tolle Erfolg der National Kiwi Hatchery

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Junges Kiwi-Küken auf der Waage

In der National Kiwi Hatchery ziehen Mitarbeiter mit Isolierboxen in die Wälder, um in langwierigen Suchen Kiwi-Eier zu lokalisieren und sie in die Brutstation zu bringen. Kiwi-Küken haben nämlich in freier Wildbahn keine Chance gegen die Wiesel und würden sofort umkommen. In der Station werden die Eier drei Monate lang in Automaten ausgebrütet und die Küken anschließend aufgepäppelt, bis sie mehr als ein Kilogramm wiegen und somit stark genug sind, die Wiesel abzuwehren. Dann kommen sie in ein Außengehege, das ihrer natürlichen Umgebung ähnelt und werden schließlich wieder ausgewildert.

 

Dank der jahrelangen, mühevollen Arbeit der Hatchery konnte die Population inzwischen temporär stabilisiert werden. Bis 2050 möchte Neuseeland alle invasiven Tierarten von den Inseln entfernen. Ein langer und teurer Kampf, um das wieder gutzumachen, was wir einst ruiniert haben.

 

Wir besuchen die National Kiwi Hatchery in einer Behind the Scenes Tour, sehen ein erst drei Tage altes Küken und erleben die medizinische Versorgung und Fütterung. Rund 1500 Euro kostet es, ein Küken aufzuziehen und auszuwildern und damit zu retten.

Weil mich der Besuch so bewegt hat, habe ich eine kleine Online-Spendenbox für die Organisation eröffnet. Wenn ihr mithelfen und sogar etwas gewinnen möchtet, könnt ihr hier reinschauen – Kiwi Donorbox.

Ab in die Höhle mit Grubenlampe und Gummistiefeln

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Ab in die Höhle und durch den Fluss

Nicht bedroht, aber sehr speziell sind die biolumineszenten Glühwürmchen in den Glowworm Caves in Waitomo. Biolumineszenz bedeutet, dass ein Tier von sich aus leuchten kann – also anders als Leuchtsticker, die man erst unter eine Lampe halten muss (das wäre Fluoreszenz).

 

In Waitomo gibt es Bootstouren in die Höhlen, auf denen man allerdings nur im Schnellverfahren reingeschifft und wieder rausgeschifft wird. Wir entdecken die Eco Tours von Down to Earth. Ein kleines Familienunternehmen, das eine Höhle auf ihrem Farmland abseits der Touristen-Höhlen besitzt. Neben den Glühwürmchen-Touren haben sie 8000 Bäume gepflanzt und setzen sich gegen Plastikmüll und für Tierschutz ein.

 

Empfangen werden wir von Ash. Mit uns sind nur drei weitere Leute in der Gruppe – kleine Touristengruppen gehören zum Konzept. Ash zeigt uns geringelte Woll-Klamotten und Gummistiefel. „Die braucht ihr“, sagt er mit einem spitzbübischen Lächeln.

Ich überlege, ob ich die flacheren oder höheren Gummistiefel nehmen sollte. Ash lacht. „Nass wirste sowieso“, sagt er. „Da läuft dir gleich unten in der Höhle eh das Wasser von oben rein.“ Huh? Egal. Mein Freund und ich setzen unsere Grubenhelme mit den Lampen auf und los geht’s. Erst einen matschigen Abhang hinunter und dann viele Stufen bis zum Eingang der Höhle, aus der ein laut rumpelnder Fluss schießt. Da gehen wir rein? For real jetzt?

 

„Wir klettern ein bisschen“, sagt Ash und verschwindet in der Höhle zwischen zwei großen Steinen mitten im Fluss. Während ich die Steine anschaue, ist mein Freund schon dabei, ihm mit Händen und Füßen nachzuklettern. Für Senioren ist diese Tour eher nicht geeignet, stand auf der Website. Ich muss lachen. Das müssen sie wohl überarbeiten.

Drei Tage leben – Glühwürmer am Limit

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Unsere Tour-Gruppe mit Down to Earth Eco Tours

Smash – das eisige Wasser läuft mir in beide Schuhe. Bis zum Knie stehe ich im Fluss. Doch Wollkleidung hält einen warm, selbst wenn man nass ist. Wir stiefeln (hoho) durch das Wasser, klettern über weitere Felsen und zwängen uns durch Spalten. Ash passt auf, dass jeder mitkommt und niemand gefressen wird. Im Fluss sind einige echt große Aale. Eine unserer Mitstreiterinnen schreit auf, als sie einen sieht. „Wenn der in meinen Stiefel schwimmt!“, ruft sie aufgeregt. Immerhin keine Krokodile wie im Dschungel in Nepal, denke ich.

 

Schließlich erreichen wir die Glowworm Cave. Das Zuhause von blau leuchtenden Glühwürmern, die klebrige Fäden an der Decke spinnen, um Fliegen und Mücken zu fangen. Wo sind diese Viecher, wenn ich zelten bin und mich mit Mückenspray eindiesel? Kann man einen Sack Glühwümer mitnehmen und sie unter seine Zeltdecke kleben?

 

Ash erklärt, dass die Glowworms eigentlich gar keine Würmchen sind, sondern Maden. „Aber Glühmaden lässt sich scheiße vermarkten“, sagt er und lacht sein breites, neuseeländisches Lachen.

Neun Monate dauert es, bis die Larven der Glühwürmer zu Fliegen werden. Dann leben sie drei bis vier Tage, legen neue Eier und sterben. Während wir uns in der Dunkelheit auf großen Steinen niederlassen und unsere Stirnlampen ausschalten, um die vielen hundert, leuchtenden Punkte an der Decke zu sehen, denke ich: neun Monate, um drei Tage zu leben, nur um sich zu vermehren und zu sterben – wow. Frag nach dem Sinn des Lebens.

Beeindruckt kriechen wir einige Zeit später wieder aus er Höhle heraus, dazu schnell nochmal einen Schuss Eiswasser in die Schuhe. Was für ein Erlebnis!

 

Neben dem Besuch bei Kiwi-Babys und Glowworms ist es mein persönliches Highlight, zu wissen, dass es doch noch Menschen gibt, die diese Naturwunder respektieren und bewahren – und dass man trotz Over-Tourism mit nachhaltigen Buchungen dazu beitragen kann, diese Menschen zu unterstützen.

 

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